Mit „Inge Borg – zur Kasse Patient“ wird das Biertheater fast schon zur Kabarettbühne

So charmant kann bitterböse sein …

 

Die Zeit, die man in Wartezimmern verbringt, reicht aus, um selber Medizin zu studieren. Solche Sätze kann natürlich nur jemand sagen, der eine Menge Zeit in Wartezimmern verbringt. Inge Borg tut das. Zum einen, weil ältere Damen wie sie, ihren Arzt sowieso häufiger sehen als die nicht mehr ganz so regelmäßig zu Besuch kommenden Kinder – und zum anderen, weil Inge Borg auch ein bisschen verliebt ist, in den „schmucken Herrn Doktor…“, wie sie verklärt lächelnd zugibt. Und so sitzt sie nun also mindestens einmal pro Woche im Wartezimmer – und wartet. Und philosophiert. Und wie sie das tut!

 

Eine grandiose Idee für einen Theaterabend, der Donnerstagabend im Radeberger Biertheater Premiere feierte. Noch dazu, wenn es einen Schauspieler wie Biertheater-Akteur Jens Albrecht gibt, der so wunderbar liebevoll in die Rolle von Inge Borg schlüpft. Und der eine taffe Seniorin mimt, die durchaus boshafte Spitzen in einer unglaublich freundlichen Art über die Bühnenkante schleudert – dass ihr niemand wirklich böse sein kann. Und die in jedem Satz mehr liebenswerte Lebensweisheit versteckt, als so mancher ausufernde Romanschreiber… Hier ist Autor Holger Blum – ja bestens bekannt als Schauspieler und Schreiber im Biertheater – ein wirklich großer Wurf gelungen. Wobei das Ganze durchaus ein Wagnis war, denn so politisch ging es auf der Biertheaterbühne wohl noch nie zu. Aber natürlich ist es kein bierernster Abend geworden – aber einer, bei dem mitunter das Lachen doch sprichwörtlich im Halse steckenbleibt. Besonders dann, wenn Inge Borg erzählt, dass es wirklich schön ist im Altersheim – und dann bitter anfügt, „sagt meine Tochter…“

 

Wobei dieser Abend neben Hauptakteur Jens Albrecht auch von Thomas Rauch lebt. Er, ja auch seit Jahren im Biertheater zu erleben, brachte sich dabei nicht nur als Regisseur ein, sondern ist zudem als genial seniler Senior Herr Küttner, frauenheldischer Arzt und aufgetakelte Sprechstundenhilfe zu erleben. Und kommt dabei nie in Versuchung, der Inge die Schau zu stehlen. Hier passt wirklich alles!

 

Zu erleben ist das Stück „Inge Borg – zur Kasse Patient“ noch am heutigen Sonnabend 15 und 20 Uhr im Biertheater und dann wieder in der kommenden Saison.

 

Jens Fritzsche

Ovationen für Blumi’s SOLO & Co

Er hat es gewagt. Und er hat gewonnen, getreu einem alten Sprichwort „Wer wagt gewinnt“. Am Sonntag ging Blumi’s erstes Solostück über die Bühne des Radeberger Biertheaters. Es war vom Feinsten und erweist sich tatsächlich als ein neuer Farbtupfer in der komödiantischen Landschaft.

 

„Nieten in Nadelstreifen“, so überschrieb Holger Blum sein erstes Solostück. Ich fand zwar keine „Nieten“ vor und außerdem legte Blumi bereits nach den ersten zwei Liedern sein Nadelstreifen-Jackett ab, da waren die Nadelstreifen auch weg. Dafür zeigte Blumi, dass er ein Erzkomödiant ist. Ob die Szenen einer Ehe oder seine unverwechselbare Plauderei, wo er schon als Bühnenfuchs genau weiß, hier springt sein Publikum an. Doch die allerbeste Entdeckung des Programms war das Zusammenspiel mit Co. – Denn Blumi – als ein Teil der Bierhähne – schnappte sich für sein Solo diesmal als Compagnon Andreas „Goldi“ Goldmann, den Erzmusikanten. Was Beide auf die Bühne musikalisch zauberten, war herzerfrischend. Goldi’s Sound und Gesang steuerte zum Erfolg der Premiere bei.

Da haben wir es – 2015

Es ging wieder schnell – Peng – da ist das Jahr 2014 erlöschen. Allerdings nicht der Rückblick auf die erste Hälfte der Spielzeit 2014. Euphorisch klingt noch der Beifall nach der tollen Premiere und den ausverkauften Vorstellungen „Torpedo Malzau“. Dieser neue Schwank aus der Feder von Peter Flache ist wieder ein Wurf. Da sollten sich alle Fußball-Fans ein Beispiel nehmen – wie man total entspannt über ein Fußball-Match lachen kann. Sehenswert ist die Mannschaft von Torpedo mit dem Torwart Peter Flache, Stürmer Blumi… Ob die französische Trainerin die Torpedos zum Sieg führt…? Lassen Sie sich überraschen. Das heiter mitzuerleben, bedarf allerdings die große Hürde zu nehmen: Tickets sichern für das außergewöhnliche Match.

 

Das Prädikat „Sensationell“ kann man auch beim Rückblick auf das Weihnachtsstück „Schwipsbogen“ verwenden. Es „brannte förmlich der Baum“ auf der Bühne und im Theater-Saal. Danke dem Publikum. Da allerdings ein altes Sprichwort sagt. „Aller guten Dinge sind drei“,  kommt das Stück nun nach drei Spielzeiten in’s Archiv. Doch nicht traurig sein, Blumi wandert schon durch den Tannenwald und macht sich die ersten Notizen für ein neues Weihnachtsstück. Lassen wir uns überraschen, was er sich so ausdenkt.

 

Es ist auch endlich an der Zeit ein großes Dankeschön zu sagen, denn viele sind am Erfolg des Biertheaters beteiligt. Neben den Darstellern auf der Bühne gilt der Dank:  Annett Henker – „der guten Seele für Alles“, dem Ticket-Service, unserem Grafiker & Internet-Mann Jan Weskott, der Technik-Crew mit Martin Sparing, „Sepp“ Claus-Jörg Gebauer, Tom Forberg und nicht zuletzt der Gastronomie-Mannschaft mit ihrem Chef Jens Richter an der Spitze. Spitze!

 

Was gibt es Neues im ersten Halbjahr 2015? Die langjährige Chorsängerin der Bierhähne befindet sich jetzt auch auf Solopfaden. Jens Albrecht, unser Allrounder auf der Bühne, startet durch. Nach der „Oma Sigrun“ im „Schwipsbogen“, dem „Grohmann Siggi“ in „Torpedo Malzau“ oder auch als „Backgroundsängerin“ bei den Bierhähnen feiert er in dieser Spielzeit, genau am 16.04., im Biertheater seine Premiere. Schon der Titel „Inge Borg: Zur Kasse – Patient“ macht auf diesen Soloabend neugierig. Er verspricht einen Abend, in dem so manche Schwierigkeiten in den Wartezimmern der allgemeinen Kassenärzte auf die Schippe genommen werden, denn die Zeit, die man heut zu Tage beim Arzt verbringt, würde reichen, um selbst Medizin zu studieren. Eine Produktion von „Bierhahn-Blumi Projektmanagement“.

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